Wäsche-Schmuggel aus dem Spital

Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden steht unsere Nachbarin, eine nicht namentlich genannt sein wollende Pflegefachfrau, vor unserer Wohnungstür, einen Stapel weisser Hosen und Oberteile in den Händen. Der Schmuggel aus einem Spital im benachbarten Ausland hat also geklappt, dieses Mal gar in den richtigen Grössen – jetzt müssen sie nur noch über die Grenze… Die ambulante Impfstation gegen Vorurteile nimmt langsam Formen an: Impf-Liege und Stethoskop liegen bereit, die Spritze ist im Bau, erste Komplizen sind angemeldet. Fortsetzung folgt.

Ein Gedanke zu „Wäsche-Schmuggel aus dem Spital“

  1. diese Hemden erinnern mich an einen umfangreichen Diebstahl in der Kölner Universitätsklinik: 1974, ich arbeitete damals im WDR, lebte mit einer Krankenschwester der Uni-Klinik zusammen. Einige Monate nach dem Putsch der Militärs unter dem späteren Diktator Pinochet gegen den Sozialisten Salvador Allende, kam eine größere Gruppe chilenischer Flüchtlinge nach Köln, die meisten mit Familie. Wir, das Kölner Chile Komitee, hatten, mit dünner Unterstützung der Stadt, Wohnungen arrangiert. Nichts drin. Es fehlte an allem. Vor allem Betten, Bettwäsche, alles was dazu gehört. In der Kölner Uni-Klinik aber stand ein riesiger Flachbau leer, der für einen Neubau abgerissen werden sollte. Meine Freundin kam euphorisch nach Hause: alles drin, Betten, Wäsche, Nachttische, Besteck, Geschirr, und und…. Das wäre die Lösung. Wie kommen wir an das Zeug? Ein alter Genosse lieh seinen LKW mit Plane; meine Freundin besorgte mir eine Pfleger-Uniform und einen Passierschein für den LKW, sie in voller Schwesterntracht. Rein gefahren. Keine Kontrolle, unser Aussehen ist Vertrauensbeweis. Ladenklappe runter, schuften wie die Pferde, alles rein., was in den Flüchtlingswohnungen benötigt wird. Betten zerlegt, Schränke mit Wäsche, Laken, Handtüchern… geräumt. Voll geladen bis unter die Plane. Genug Betten, Bettwäsche, Matratzen, für alle Chilenen. Pulsschlag an der Obergrenze. Raus gefahren, freundlich gegrüßt, Passierschein hochgehalten. Keine Kontrolle. Den Staat beklaut für eine wundervolle Aktion. Unvergesslich. Noch immer ein strahlendes Lachen im Gesicht beim Niederschreiben dieser Erinnerung.

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